Menschig, Diana: So finster, so kalt


  • Autor: Menschig, Diana
    Titel: So finster, so kalt
    Verlag: Knaur TB
    Erschienen: 1. April 2014
    ISBN 10: 3426514931
    ISBN 13: 978-3426514931
    Seiten: 380 Seiten
    Einband: Taschenbuch
    Preis: 8,99 Euro


    Inhaltsangabe:


    Zitat

    Als Merle Hänssler nach dem Tod ihrer Großmutter in deren einsam gelegenes Haus im Schwarzwald zurückkehrt, findet sie im Nachlass ein altes Dokument. Darin berichtet ein gewisser Johannes, der Ende des 16. Jahrhunderts im Haus lebte, über merkwürdige Geschehnisse rund um seine Schwester Greta. Merle tut diese Geschichte zunächst als Aberglaube ab. Doch dann passieren im Dorf immer mehr unerklärliche Dinge: Kinder verschwinden, und auch das alte Haus selbst scheint ein seltsames Eigenleben zu entwickeln. Langsam, aber sicher beginnt Merle sich zu fragen, ob an Johannes’ Erzählung mehr dran ist, als sie wahrhaben wollte.


    Quelle: Amazon.de


    Meine Meinung:


    Merle hat in letzter Zeit immer wieder Alpträume, so daß sie sich kaum auf ihre Arbeit konzentrieren kann, denn sie ist total übermüdet, aber ausruhen kommt nicht in Frage, denn sie sitzt gerade an einem wichtigen Fall. Selbst als ihre Großmutter stirbt nimmt sie sich nur einen Tag frei um zu deren Beerdigung zu gehen. Diese hat ihr einen Umschlag hinterlassen in dem die Geschichte eines ihrer Vorfahren aufgeschrieben steht, eines gewissen Hans, der mit seiner Ziehschwester Greta in genau dem Haus gelebt habt, wo ihre Oma jahrelang gewohnt hat. Aber ist dieses Dokument wirklich echt?! Schließlich handelt es von grausamen Erlebnissen, die sonst doch nur im Märchen vorkommen, doch plötzlich scheint sich vieles zu wiederholen was Hans vor Jahren erlebt hat und Merle ist sich gar nicht mehr so sicher, ob das alles wirklich nur Humbug war.


    Mit Merle bin ich leider überhaupt nicht warm geworden, wie sie Jakob manchmal behandelt hat war echt unmöglich, sie weiß überhaupt nicht was sie will und läßt alles an ihm aus, obwohl er ihr bisher nichts getan hat. Außerdem ist sie total misstrauisch was ihn angeht, was ich zwar teilweise sogar verstehen kann, aber sie redet dann nicht mit ihm sondern läßt ihn lieber auflaufen. Aber auch ihr Verhalten gegenüber anderen Charakteren habe ich nicht immer verstanden, das ist bei Merle echt immer ein auf und ab gewesen und irgendwann fand ich sie einfach nur noch anstrengend. Aber auch die meisten anderen Personen waren nicht wirklich mein Fall, höchstens noch Hans, wobei er sich auch oft das Leben selbst schwer gemacht hat, aber es waren halt andere Zeiten und da hat man vieles halt noch etwas anders gesehen als heutzutage.


    Die Geschichte an sich fand ich am Anfang eigentlich noch recht interessant und spannend, gerade diese Verbindung mit den Märchen hatte was für sich, aber irgendwie vermischen sich dann später viel zu viele Märchen ineinander, dabei hat "Hänsel und Gretel" alleine ja schon viel Potenzial. Auch ging mir am Ende alles etwas zu schnell, denn vorher wurde alles eher gemächlich erzählt und dann geht es plötzlich Schlag auf Schlag und es passieren Dinge, die für mich so gar nicht zur bisherigen Story gepaßt haben. Außerdem frage ich mich immer noch was es überhaupt mit Greta auf sich hat, wer ist sie, was wollte sie, wieso tut sie erst gewisse Sachen und entscheidet sich dann doch wieder anders?! Die Antworten darauf hätten mich wirklich interessiert und der Epilog läßt ja dann leider auch nochmal recht viel Spielraum.


    Veröffentlicht am: 28.07.2014

  • Meine Meinung: Merle, die seit einiger Zeit von schrecklichen Albträumen geplagt wird, hat einen schweren Verlust zu ertragen, als ihre geliebte Oma Mago stirbt. Diese lebte in einem kleinen "Hexenhäuschen", wie es von der Familie liebevoll genannt wird. Direkt daneben befindet sich der verbotene Garten. Einige Kinder der Gemeinde betreten den Garten von Neugier getrieben und befreien dadurch unbeabsichtigt etwas Altes und Böses. In Unterlagen, die Merle von ihrer Großmutter hinterlegt bekommen hat, findet sie die Geschichte von "Hans vom Wald" aus dem 16. Jahrhundert, dessen Bericht die Vorlage für das Märchen "Hänsel und Gretel" sein könnte. Merles Oma war gar davon überzeugt, dass Hans einer ihrer Vorfahren sei und die Geschichte nicht einfach nur ein Märchen ist. Merle beauftragt einen Experten für Märchen und Sagen namens Jakob Wolff, doch zunächst zweifelt sie am Wahrheitsgehalt der Geschichte. Zu unheimlich und unwirklich wirkt, was Hans berichtet. Doch dann verschwinden Kinder aus Omi Magos Dorf und alles weißt darauf hin, dass das Böse, das Hans einst bekämpfte wieder zurück ist.


    Zitat

    »Merle lag auf dem Rücken und riss die Augen auf. Sie wollte schreien, doch auf ihrer Brust saß ein kleines Wesen, das ihr mit seinem Gewicht die Luft abschnürte. [...] Das Wesen bohrte seine Fersen oder Fäuste in ihren Leib. [...] Sie ließ das Nachthemd fallen und betrachtete die zwei schwachen, blauen Flecke genauer. Sie hatten die Größe von Golfbällen, und tatsächlich fühlte es sich so an, als hätten zwei davon sie in vollem Flug getroffen. Oder als hätte ein kleines Männchen ihr seine Fersen in die Rippen gebohrt.«


    Merle wird zu Beginn als Karrierefrau gezeichnet, die mit beiden Beinen fest im Leben steht, jedoch von schrecklichen Albträumen geplagt wird und schließlich durch den Tod ihrer Großmutter gänzlich aus der Bahn geworfen wird und ihr ganzes bisheriges Leben zu überdenken beginnt. Sie wirkt etwas unterkühlt und man braucht etwas, um mit ihr warm zu werden.
    Auch Jakob, der Experte für Sagen und Märchen, den sie wegen der Unterlagen ihrer Omi zurate zieht, kann man anfangs schlecht einschätzen. Beide raufen sich im Laufe der Geschichte jedoch zusammen und es entwickelt sich eine echte Beziehung, die immer wieder von Merles Verfolgungswahn und ständigem Misstrauen gestört wird. Manchmal würde man sie dafür am Liebsten schütteln und fragen, wo ihr Problem ist.
    Jakob hingegen spielt nicht immer mit offenen Karten und verspielt sich so ständig wieder auf's Neue Merles gewonnenes Vertrauen.
    Die Bettgeschichte der Beiden fand ich etwas störend und auch die kitschigen Szenen am Schluss wirkten unpassend für die Geschichte.


    Dafür packt einem die Erzählung um Hans umso mehr. Immer wieder werden Kapitel zwischen geschoben, in denen seine Geschichte weiter erzählt wird. Teils aus den Dokumenten von Oma Mago, teils aus einer Art gemeinsamer Erinnerung heraus, die Merle immer häufiger als Visionen befallen. Einige Szenen, dieses Berichtes sind sehr brutal, ekelhaft und vor allem gruselig.


    Einst wurde er von einem Wesen in Gestalt eines Mädchens entführt. Ein Mädchen, dessen Augen rot leuchten können und das er selbst Greta, nach seiner verstorbenen Schwester tauft. An einem alten Häuschen erfüllt sich sein Schicksal. Er wird gezwungen die alte Frau, die eine Art weiße Hexe zu sein scheint und das Haus bewohnt, zu töten. Gerade als diese ihrerseits versucht Greta zu bannen. Doch Hans begreift da noch nicht, wer gut und wer böse ist. Von nun an wohnen er und Greta dort. Schon bald bemerkt Hans, dass Sie unmöglich menschlich sein kann, doch zu diesem Zeitpunkt ist es bereits zu spät. Er zeugt mit diesem Wesen gar einen Sohn, nach dessen Geburt Greta zunächst verschwindet. Doch ihrer Leben sind für immer miteinander verbunden, bis ...


    Das ganze ist im Stil eines klassischen Schauerromans gehalten unter dem Motto, was wäre wenn, ein Märchen wirklich auf einen Funken Wahrheit aufbaut.
    Die Stimmung wird ab dem Moment, an dem die Kinder in Magos Dorf verschwinden immer bedrückender und düsterer.
    Mit Greta hat Frau Menschig wirklich eine Figur mit ganz eigenem Charm erfunden. Kalt, zerstörerisch, mystisch und unheimlich. Eine ganz neue Interpretation der Gretel, wie man sie aus dem Märchen kennt und in diesem Fall eindeutig das personifizierte Böse - ein Teufel, wie Hans sie bezeichnet. Sie hat mich sogar in meine "Albträume" verfolgt.


    Spannend wird es, sobald man bemerkt, wann Merles Wege Hans' bereits gekreuzt haben. Sogar das kleine Hexenhäuschen mit den drei Katzen, scheint ein Eigenleben zu führen und wächst einem regelrecht ans Herz.
    Wie sich die Ganze Geschichte dann auflöst, ist wirklich gelungen. Immer wieder kreuzen dabei unterschiedliche Märchen die Storyline.


    Schade ist, dass es keine Erklärung für das Männchen (offensichtlich ein Albdruck) gibt. Auch Hans Schicksal nach den Ereignissen ab Seite 280 und dem Ende wirft immer noch einige Fragen auf.


    Trotzdem packt einen die Geschichte und ist ideal für ein schauriges Prickeln während der dunklen Jahreszeit. Und als Bonus gibt es das Original "Lebkuchenmännlein" Rezept noch oben drauf.


    4/5 Sternen


    veröffentlicht: 13. Dezember 2014

  • Eigene Meinung:


    Die Anwältin Merle Hänssler lebt seit Jahren in Hamburg, als sie Nachricht erhält, dass ihre Großmutter gestorben ist. Merle hat in ihrer Kindheit und Jugend jede freie Minute im Haus ihrer Omi verbracht, das im Hochschwarzwald abseits des Dorfes Steinberg mitten im Wald steht. Als sie nun zur Beerdigung zurück kommt, findet sie bei den Sachen ihrer Großmutter Dokumente aus dem 16. Jahrhundert, geschrieben von einem gewissen Johannes. Anscheinend lebte er genau in diesem Haus. Seine Berichte handeln von seiner Schwester Greta und Merle tut sie zunächst als Aberglaube ab. Aber je länger sie in dem alten Haus wohnt, das sie anscheinend vor irgendwas beschützen will, desto öfter kommen Erinnerungen an ihre Kindheit zurück. Außerdem hat sie Albträume von dunklen Wesen und bösen Wölfen. Und immer mehr gerät sie in den Bann der Märchen, die ihre Oma ihr früher immer erzählt hat. Anscheinend hatte diese selbst schon Nachforschungen angestellt und Kontakt mit einem Experten für Märchen und Sagen aufgenommen.

    Dann verschwinden Kinder aus dem Dorf und Merle fragt sich, ob an Johannes' Erzählungen nicht doch mehr dran.


    Es ist schwer, das Buch einem Genre zuzuordnen.Am ehesten würde ich sagen, es passt in den Bereich Mystery. Aber eigentlich ist das auch egal, denn gefallen hat es mir auch so. Es ist düster, irgendwie magisch und märchenhaft. Und darum dreht es sich auch zum größten Teil, um alte Märchen wie "Hänsel und Gretel". Mit diesen bin ich ebenfalls aufgewachsen, genau wie Merle. Es gibt viele Anspielungen auf diese Märchen, angefangen natürlich bei den Namen wie Hans, Greta, der Familienname Hänssler oder auch Jakob Wolf.


    Und es geht darum, dass man mit dem Erwachsenwerden den Glauben an Märchen und das Übernatürliche immer mehr verliert.


    Die Geschichte und der Schreibstil haben mir sehr gut gefallen und ich habe mich von Anfang bis Ende gut unterhalten. Der überwiegende Teil spielt in der Gegenwart und aus Sicht von Merle. Dann gibt es wieder ein paar Kapitel aus dem Manuskript von Johannes und man erfährt sozusagen aus erster Hand, was damals passiert ist.


    Das Buch passt perfekt in die herbstliche Jahreszeit, wenn der Nebel durch die Wälder kriecht. Und auch für die Fans von Grimms Märchen kann ich "So finster, so kalt" sehr empfehlen.


    Veröffentlicht am 14.10.2019