Mein Urlaub auf Föhr - oder wie ich Gabriella Engelmann stalkte

  • Dieses Jahr habe ich einen ganz besonderen Sommerurlaub verbracht. Besonders war er aus vielen verschiedenen Gründen. Zum einen war es mein erster richtiger Urlaub ganz allein. Allerdings, so allein war ich gar nicht :) Zum anderen war es mein erster Urlaub auf Föhr seit 12 Jahren. und dann war es noch ein Urlaub, der sehr literarisch geprägt war, ein Urlaub, wo ich nicht nur Lesungen besuchen sondern auch Teil einer Lesung sein sollte. Wie das kam? Tja, schuld daran ist Gabriella Engelmann. An fing eigentlich alles vor 2 Jahren. Damals las ich ihren Syltroman Inselzauber. Viele hatten davon geschwärmt, ich war eher enttäuscht, wurde mit den Figuren nicht so richtig warm und Sylt ist auch nicht wirklich "meine" Insel. Über Facebook kamen wir ins Gespräch und ich fragte, ob sie nicht auch einmal einen Föhr-Roman schreiben wollte. Die Antwort kam prompt, sie war damals gerade in den Vertragsverhandlungen mit dem Verlag. Und so fing meine Vorfreude an. Recht früh war mir klar, sollte es eine Lesung auf Föhr geben, so wäre das eine gute Gelegenheit, endlich einmal wieder dort Urlaub zu machen. Von 1989 bis 2002 war ich jedes Jahr dort gewesen und es wurde eindeutig mal wieder Zeit. So fing die Zeit des Wartens an - auf das Buch und auf den Lesungstermin. Als der Lesungstermin Anfang des Jahres feststand, buchte ich schnell eine kleine Ferienwohnung für mich und die Vorfreude wuchs immer mehr. Und dann fragte Gabriella mich, ob ich während der Lesung ein Interview mit ihr führen möchte. Ich? Ein Interview auf der Lesung? Eine aufregende Vorstellung. Gewisse Panik machte sich in mir breit (ich hasse es, Vorträge zu halten und ähnliches), aber ich fühlte mich auch geehrt und irgendwie reizte es mich. Also sagte ich zu und wartete jetzt noch aufgeregter. Erst einmal auf das Buch (was ist, wenn es mir nicht gefällt?), und dann natürlich auf den Lesungstermin.


    Das Buch kam (ich bekam bereits im März vorab die Druckfahne) und es gefiel mir sehr gut. Da war meine Erleichterung groß und nachdem ich mir ein paar Fragen ausgedacht hatte, konnte der Urlaub kommen. Nun, es dauerte, bis es soweit war, aber am 31. Mai ging es endlich los. Völlig überladen (ich war am Wochenende vorher auf der LoveLetter Convention in Berlin, danach bei meiner Schwester und hatte irgendwie riesige Gepäckberge dabei) ging es mit Zug und Fähre nach Föhr. Auf der Fähre traf ich dann auch schon Gabriella und netterweise erklärte sie sich bereit, auf mein Gepäck aufzupassen, während ich den Schlüssel für meine Ferienwohnung holte.


    Ja, und dann begann eine wunderschöne Woche. Ich hatte vorher etwas Angst, ob Föhr mich nach all den Jahren enttäuschen würde, ob sich zu viel verändert hätte, aber dem war zum Glück nicht so. Klar, manches ist anders in Wyk als damals, und ich habe mich seitdem natürlich auch verändert, aber das Grundfeeling, das stimmte noch. Nach Wyk kommen - das war wie heimkommen.


    Und die Angst, die ich vorher hatte, wie es wäre, Urlaub ganz alleine zu machen, die erwies sich auch als unbegründet. Dank Gabriella, ihren sympathischen Lesern und Facebook war ich nämlich gar nicht ganz allein.


    Bereits der Anreisetag hatte ein Highlight im Gepäck, denn schon am ersten Abend stand der Besuch einer Lesung an.

  • Janne Mommsen las aus seinem neuen Roman Friesensommer!



    Ich liebe die Bücher von Janne Mommsen rund um Oma Imke, die auf der Insel Föhr spielen. Die Oma-Reihe hat er allerdings letztes Jahr abgeschlossen. Aber er ist Föhr treu geblieben, und mit Friesensommer ist ihm ein unglaublich tolles Buch gelungen. Als ich feststellte, dass er an meinem Anreisetag daraus lesen würde, war ich natürlich begeistert. Schnell war die Karte gekauft und die Vorfreude wuchs noch mehr, als dann feststand, dass Gabriella auch schon an dem Tag da sein und mit mir zur Lesung kommen würde.


    In Friesensommer geht es um die Geschichte von Harry Peterson. Der junge Kalifornier flieht 1968 vor der Einberufung zum Vietnamkrieg nach Föhr. Sowohl sein Vater als auch die Familie seiner Mutter kommen von der Nordseeinsel, und Harrys Vater hat dort noch ein Haus. Somit ist es der ideale Fluchtort für Harry, der mit einem gefälschten Pass in einem hippiemäßig bemalten Bus dort ankommt. Es ist erst einmal ein Schock für ihn, aber so nach und nach gewöhnt er sich ein. Doch nach nicht einmal 1 Jahr geht etwas schief und Harry muss wieder fliehen.
    40 Jahre später kehrt er zurück nach Föhr. Dort trifft er auf einige alte Bekannte und auch auf seine frühere große Liebe. Kann er an die alten Zeiten auf Föhr anknüpfen?


    Das Buch spielt also in wie Zeitebenen. Gelesen hat Janne Mommsen hauptsächlich aus den Passagen, die Ende der 60er spielen, um nicht zu viel von der Handlung vorwegzunehmen. Ich fand es toll, denn die Passagen aus der Vergangenheit fand ich besonders spannend und interessant. Und Janne Mommsen las nicht einfach nur, er erklärte auch immer wieder Kleinigkeiten, wies immer wieder darauf hin, dass viele Anekdoten des Buches wahr sind. So wurde z.B. in einer Föhrer Kneipe tatsächlich einmal ein lebendes Krokodil verlost. Die Lesung hat mir deutlich vor Augen geführt, wie aufwendig und intensiv Janne Mommsen recherchiert haben muss. Und das hat sich gelohnt. Das Buch ist unglaublich atmosphärisch!


    Die 1,5 h vergingen wie im Flug und ich hätte Janne Mommsen (oder Volkmar, wie ich ihn jetzt wohl eigentlich nennen sollte, so heißt er schließlich wirklich) ewig weiter zuhören können.



    (Janne Mommsen und Bubu, der organsisierende Buchhändler)

  • Am nächsten Tag, dem Sonntag, stand nicht wirlich etwas auf meinem Programm, ich wollte einfach nur Wyk wiederentdecken. So schlenderte ich durch die Stadt und spazierte am Meer entlang. Und dann, plötzlich, hörte ich meinen Namen. Ich schaute mich verwirrt um, konnte ich gemeint sein? Ich kannte doch auf Föhr niemanden. Aber tatsächlich, im Restaurant des Schwimmbades direkt an der Promenade saß eine Facebook-Freundin mit ihrem Mann. Auch sie waren für Gabriellas Lesung angereist, kennengelernt hatten wir uns auch über Diskussionen auf Gabriellas Facebookprofil. Gerade angekommen stärkten sie sich, bevor es in ihre Ferienwohnung ging. Und mich erkannten sie tatsächlich an meinem Facebookfoto. Tja, Föhr ist klein, irgendwie läuft man sich immer wieder über den Weg.
    Nach einem gemütlichen Plausch ging mein ruhiger Tag weiter und ich genoss einfach das Meer.


    Das Programm des nächsten Tages sah ähnlich aus, und auch hier zeigte sich wieder, wie klein Wyk ist. Ich traf in der Fußgängerzone Gabriella, die dort mit ihrer besten Freundin und deren Tochter langschlenderte (auch die beiden waren extra für die Lesung gekommen). Wir streiften ein wenig gemeinsam durch die Fußgängerzone ehe wir uns bis zum nächsten Tag verabschiedeten - dem großen Tag mit der Lesung.

  • Der große Tag war da!
    Meine AUfregung stieg und ich wartete ungeduldig auf den Abend. Die Vorfreude wurde etwas getrübt, weil mit dem Veranstalter nicht alles so reibungslos lief wie gewünscht, aber ich möchte da gar nicht weiter drauf eingehen, da würde ich höchstens beleidigend werden. Und ganz egal wie groß der Ärger und die Anspannung davor waren, die Veranstaltung war total toll.


    Sie fand in einer kleinen Weinstube statt, leider passten dort nicht so viele Leute rein, es gab eine Warteliste für Karten. Aber die, die drinnen waren, die hatten einen wunderschönen Abend. Neben der Lesung von Gabriella sang auch noch Norma, und das hat dem ganzen Abend einen besonderen Flair verliehen. Ich hatte vorher ihre CD gekauft und gehört, live war sie noch 1000 mal besser, einfach weil sie eine unglaubliche Ausstrahlung hat und man das Lächeln in ihrer Stimme hört. Wahnsinn!


    Mein Part war ganz am Anfang und ich habe ihn schnell und gut überstanden. Mein Interview war nämlich zu warm werden am Anfang gedacht (wobei, kalt war sicher keinem, in dem Lokal war es extrem heiß, war draußen doch wirklich der Sommer ausgebrochen, und dann in einem vollen Raum...)
    Danach gab es dann immer abwechselnd Lesung und Gesang. Normas Lieder, größtenteil auf Friesisch, ergänzten Gabriellas Textstellen perfekt. Ich hatte mehrfach eine Gänsehaut und habe den Abend total genossen.
    Aber ich will hier gar nicht so viel schreiben, wer einen Eindruck haben möchte, der sollte mal in meinem Blogbeitrag nach unten scrollen, dort finden sich 2 Videos, die einen etwa 25minütigen Zusammenschnitt des ABends zeigen. Schaut und hört rein und lasst euch von Gabriella und Norma verzaubern!



    (Gabriella und Norma)

  • Damit war der aufregendste Teil des Urlaubs geschafft, der literarische war aber längst noch nicht um.
    Den Abend ließ ich übrigens zusammen mit Gabriellas Freundin und deren Tochter ausklingen, wir tranken noch einen Manhatten zusammen. Damit habe ich also auch endlich das Föhrer Nationalgetränk prpbiert und es war erstaunlicherweise gar nicht so schlecht.


    Am nächsten Tag hatte Gabriella eine Signierstunde in der Wyker Buchhandlung. Da ich eine Ferienwohnung ganz in der nähe hatte, ging ich gegen Ende der Signierstunde dort vorbei und holte sie ab. Am Mittwoch stand nämlich ein Treffen mit ihren Lesern im Café Aquamarin an. Es waren ja einige extra nach Föhr gereist und gemeinsam aßen und plauderten wir und hatten eine schöne Zeit. Dann mussten die ersten leider schon abreisen, aber wir haben fest bechlossen, uns alle mal wieder zu treffen.


    Ich selber konnte ja gar nicht genug von Gabriella bekommen und stalkte sie auch am Donnerstag weiter. Da war nämlich noch eine Lesung von ihr. Diesmal weniger förmlich, vielmehr ganz gemütlich bei selbstgebackenem Butterkuchen in der Pension, in der auch die Protagonistin aus Sommerwind wohnt. Das Haus Agge ist wirklich wunderschön, der Kuchen war total lecker und auch hier konnte ich neue Bekanntschaften knüpfen. Denn auch für diese Lesung waren Leser extra angereist. Und Gabriella Engelmanns Leser sind irgendwie alle sehr nett!




    Ja, damit war der literarische Teil meines Urlaubs dann wirklich vorbei, mehr Veranstaltungen rund um den Sommerwind gab es nicht.


    Und auch mein Urlaub war fast vorbei, Samstags ging es wieder heim.
    Aber das ganze war so toll, dass wir alle beschlossen haben, das muss wiederholt werden. Zum einen hoffen wir darauf, dass es 2018 eine Fortsetzung des Föhr-Romanes geben wird, sollte das so sein, kommen wir natürlich gerne wieder zur Lesung auf Föhr.
    Aber so lange können und wollen wir Facebook-Groupies nicht warten und so steht schon ein Termin fest: Am 7. Mai 2015 wird Gabriella Engelmann ihren neuen Roman präsentieren. Diesmal in Hamburg. Es ist übrigens eine Fortsetzung von "Eine Villa zum verlieben" und spielt im alten Land. Und ratet mal, wer vermutlich wieder mit einem Interview dabei sein wird? Ich habe die Frage spontan bejaht, habe jetzt ja Übung. Hinterher wurde mir mit Schrecken klar, dass diesmal dann vermutlich viel mehr Leute im Publikum sitzen werden. Hilfe! Aber ich muss sagen, ich freue mich schon jetzt: Auf das Buch, auf Gabriella und auf all die vielen netten Leute, die Gabriellas Bücher lieben.


    Dieser Urlaub war wirklich etwas ganz besonderes für mich.


    Und eins ist klar: Ganz egal, ob Gabriella eine Fortsetzung schreibt oder nicht, bis zu meinem nächsten Föhrbesuch vergehen nicht wieder 12 Jahre! Ich war schon ewig nicht mehr so entspannt wie in diesem Urlaub!

  • Vielen Dank, liebe Julia, für Deinen ausführlichen Bericht.
    Ich wäre beim Interview auch super nervös gewesen.


    Dein Urlaub war bestimmt traumhaft und unvergeßlich. :)


    LG Karin

  • Wow, vielen Dank für deinen ausführlichen Bericht.


    Es freut mich, dass du uns an deinem Urlaub teilhaben lässt!! :D: :sommer:

    "Ein Raum ohne Bücher ist wie ein Körper ohne Seele" (Cicero)


    :lesen-buch35:


    Ganz viele liebe Grüße


    MANU


    Lese ich gerade:

  • Ich habe mir inzwischen auch die Videos angeschaut, die sind echt toll. Ich bekam bei Norma auch Gänsehaut. Du hast das Interview wirklich toll gemacht.
    Ich würde auch mal sehr gerne bei einer Lesung von Gabriella Engelmann dabei sein.


    LG Karin

  • Danke. Ich bekomme jedes mal, wenn ich die Videos schaue (bzw. eher höre) wieder Gänsehaut. Ich will vor allem mal bei einem Konzert von Norma dabei sein. Im Oktober haben Gabriella und Norma auch noch einmal eine gemeinsame Veranstaltung in Hamburg, leider kann ich da nicht. Hamburg ist einfach zu weit weg.

  • Ich verzichte mal darauf, ein neues Thema aufzumachen und erweitere dieses hier einfach um ein paar Fotos vom diesjährigen Urlaub. Diesmal ganz und gar unliterarisch (die Lesung zum neuen Buch von Janne Mommsen war leider 2 Tage nach meiner Rückfahrt).


    Da ich dieses mal mit meiner Schwester und ihren Kindern unterwegs war, war das Programm natürlich etwas anders. So stand als wichtigstes z.B. eine Fahrt zu den Seehundsbänken an. Die ersten Tage auf der Insel war das Wetter nicht wirklich gut, aber für die Fahrt haben wir tatsächlich einen sonnigen Vormittag erwischt und vor allem die 4jährige warglücklich, so viele so süße Seehunde zu sehen! Ansonsten standen Strand und Wellenschwimmbad auf dem Programm.