Campion, Emma: Die Vertraute des Königs


  • Autor: Emma Campion
    Titel: Die Vertraute des Königs
    Originaltitel: The King’s Mistress
    Verlag: Heyne Verlag
    Erschienen: 8. August 2011
    ISBN-10: 3453545338
    ISBN-13: 978-3453545335
    Seiten: 768
    Einband: beleuchtetes Fenster, eine Frau in einem rotem Kleid mit einem goldenen Gürtel, goldene und weiße Schrift



    Zusammenfassung:


    Alice Salisbury wird mit 14 Jahren mit dem 20 Jahre ältern Witwer, dem Kaufmann Janyn Peters, verheiratet. Obwohl die Ehe von den Eltern vereinbart worden ist, verliebte sie sich in ihren Mann und die beiden bekamen eine Tochter Bellas, deren Patin die Mutter des Königs Isabella wird. Ihr zweites Kind verliert Alice.


    Kurz darauf stirbt Isabella. Janyn beginnt sich zu verändern. Alice soll ihn und ihr Kind verlassen, um Hofdame bei der Königin Philippa zu werden. Als sie sich wehrt, offenbart ihr Janyn, dass sie in großer Gefahr schwebt. Obwohl Alice darauf drängt, erfährt sie nicht mehr, außer dass es mit der Mutter des Königs zu tun hat. Bella wird als Pflegekind nach Schottland geschickt.


    Eines Tages verschwindet Janyn und kurz darauf seine Mutter. Nachdem man Alice erzählt hat, dass die beiden an der Pest gestorben sind, findet sie Halt bei König Edwards III, der sie im Einverständnis mit seiner kranken Frau zu seiner Mätresse macht. Obwohl sich Alice in den König verliebt, kann sie nicht glücklich werden….



    Mein Fazit:


    Der historische Roman „Die Vertraute des Königs“ ist mein erster Roman von Emma Campion. Man merkt, dass die Autorin Literatur und Geschichte des Mittelalters studiert hat. Ihre sorgfältige Recherche bringt sie in den Roman mit ein. Besonders hinweisen möchte ich darauf, dass sie jedes Kapitel mit den Versen des Gedichtes „Troilus und Criseyde“ bekannten englischen Dichters des Mittelalters Geoffrey Chaucer – der im fiktive Teil der Geschichte einen Jugendfreund der Protagonistin spielt – beginnt. Dieses Gedicht passt wirklich gut zu diesem Roman und man könnte wirklich meinen, dass es wie im Buch erwähnt, direkt über Alice geschrieben worden ist.


    Die historischen Persönlichkeiten der Geschichte sind wirklichkeitsgetreu dargestellt, so dass man sich direkt ins 14. Jahrhundert versetzt fühlt. Die Autorin versucht ihre Figuren der damaligen Zeit anzupassen, was auch die Sprechweise mit einbezieht, dadurch wirken sie wirklich authentisch.


    Der ganze Roman verströmt sehr viel historisches Flair und beleuchtet ausführlich die Lebensgeschichte der historischen Persönlichkeiten. Die Autorin versucht die Protagonistin authentisch darzustellen, obwohl sie ein gänzlich anderes Bild von ihr zeichnet, als ihre Zeitgenossen. Für diese war Alice – und die Autorin schildert das im Anhang sehr deutlich am Beispiel Thomas Walsinghams St, Albans Chronicle auf Seite 43:


    Zitat

    „… und da gab es in England ein Weib mit dem Namen Alice Perrers. Sie war ein schamlose, dreiste Dirne und von niederer Geburt… Sie besaß weder Schönheit noch Anmut, verstand sich jedoch darin, diese Mängel mit verführerischer Stimme auszugleichen. Ungeheure Fortune erhob dieses Weib zu hoher Stellung und verhalf ihr zu einer unschicklich großen Nähe zum König, war sie doch im Grunde nur die Magd und Buhle eines Mannes aus der Lombardei gewesen… Selbst als die Königin noch lebte, liebte der König dieses Weib mehr, als er die Königin liebte.“


    Ich stimme mit der Autorin überein, dass diese Zeilen maßlos übertrieben sein müssen. Denn wie sollte eine Frau – noch dazu die Frau eines Kaufmanns die Wahl haben und sich selbst in diese Stellung bringen.


    Die Autorin hat den Charakter ihrer Protagonistin stetig weiter entwickelt – vom unschuldigen, hilflosen und gefügigen Kind bis am Ende zu einer selbstbewussten Frau, die auch ihre Fehler einsieht, aber sich auch durchsetzen lernt und nicht immer nur zu allem ja sagt.


    Die Geschichte ist in der „Ich-Form“ aus Sicht von Alice geschrieben. Dies macht die Geschichte noch persönlicher und erhöht auch den Spannungsbogen. Das Ganze wurde in mehrere Abschnitte geteilt. Zwischendurch kommt es allerdings auch zu Längen in der Geschichte, da sich einige Teile über das Leben am Hof – das ich zwar sehr unterhaltsam fand – wiederholten und nicht wirklich für den Verlauf der Geschichte waren. Der Erzählstil ist lebendig, flüssig, mitreissend und auch spannend.


    Zusammenfassend möchte ich folgendes noch anmerken: Wenn auch nicht alle historischen Fakten stimmen, so hat die Autorin für Alice ein Leben geschaffen, dass ihr wahrscheinlich nur aus Sicht der Autorin, sondern auch aus Sicht des Lesers sicherlich gefallen hätte. Die Autorin hat es verstanden mich zu fesseln.


    Veröffentlicht am 15.02.2014