Vosseler, Nicole C.: In dieser ganz besonderen Nacht


  • Autor: Vosseler, Nicole C.
    Titel: In dieser ganz besonderen Nacht
    Originaltitel des Buches: In dieser ganz besonderen Nacht
    Verlag: cbj
    Erschienen: 02/2013
    ISBN 10: 357015534X
    ISBN 13: 9783570155349
    Seiten: 576
    Einband: Gebundene Ausgabe
    Preis: [D] 18,99


    Verlagsseite http://www.cbj-verlag.de
    Autorenseite http://www.nicole-vosseler.de/belletristik.html


    Laut Süddeutscher Zeitung verlieren wir uns dank den literarischen Talenten von Vosseler in Raum und Zeit. Vosseler, die 1972 in Villingen-Schwenningen geboren wurde, studierte Literaturwissenschaften und Psychologie, widmet sich heute jedoch ganz dem Schreiben. Aus ihrer Feder stammen erfolgreiche Romane wie Sterne über Sansibar oder Der Himmel über Darjeeling. Ich selbst habe beispielsweise ihr Buch Südwinde im Regal. Und seit Kurzem auch ihren Fantasy-Jugendroman In dieser ganz besonderen Nacht.


    Der handelt von der 16jährigen Amber, deren Mutter den Kampf gegen einen unheilbaren Gehirntumor verloren hat. Durch eine zuvor getroffene Sorgerechtsvereinbarung soll sie künftig bei ihrem Vater leben, zu dem jedoch zuvor kein allzu enger Kontakt bestand. Ted lebt zudem nicht in Deutschland, sondern in San Francisco. Gefangen in ihrem Schmerz erkennt Amber anfangs nicht, wie sehr sich ihr Vater um sie bemüht. An der neuen Schule fühlt sie sich ebenfalls nicht wirklich wohl, obwohl sie durchaus freundlich aufgenommen wird. Einzig mit Nathaniel freundet sie sich an. Ein Obdachloser, wie sie vermutet, etwas älter als sie, der in einem leer stehenden Haus lebt. Schon bald fühlt sie sich zu ihm hingezogen und auch Nathaniel ist ihr nicht ganz abgeneigt. Dennoch bleibt er auf Distanz. Als Amber erfährt, warum das so ist, droht sie völlig zusammenzubrechen. Hat der Tod ihrer Mutter Amber um den Verstand gebracht, oder ist Nathaniel wirklich ein Geist? Noch dazu einer, in den sie sich so einfach verlieben kann?


    Dass er tatsächlich nicht lebendig aber auch nicht wirklich tot ist, stellt sich bald heraus, doch wie sollen die beiden jetzt zusammenkommen? Vor allem, was für Konsequenzen können sich daraus ergeben? Diese Fragen treibt nicht nur Amber um, sondern auch ihre kleine Clique, in der jeder eine ungewöhnliche Fähigkeit besitzt. Ebenso stellt sich natürlich die Frage, warum Nathaniel überhaupt zum Geist geworden sein könnte. Die Situation spitzt sich zu, als Amber und Nathaniel eine gemeinsame Nacht verbringen, in der alles anders ist als sonst.


    Die Grundidee (Beziehung zwischen Mensch und übernatürlichem Wesen) ist grundsätzlich nicht ganz neu. Doch Vosseler hat sie gut und interessant umgesetzt. Und das sowohl für das jugendliche Zielpublikum als auch für ältere LeserInnen wie mich.


    Gleich mehrere gleichwertige Handlungsstränge werden von der Autorin geschickt miteinander verwoben und steuern auf ein überraschendes Ende zu. Der eine Handlungsstrang dreht sich um den Tod von Ambers Mutter und ihre Trauer und Verzweiflung. Ein zweiter widmet sich um den Neuanfang in den Staaten mit ihrem Vater. Der dritte handelt von der sich anbahnenden Beziehung von Nathaniel und Amber. Der vierte wiederum von Ambers neuer Clique, in der alle nicht so ganz alltäglich sind und auf keine ganz einfache Vergangenheit zurückblicken müssen. Größtenteils wird die Geschichte von Amber selbst erzählt, einige Kapitel jedoch auch von Nathaniel. Diese unterscheiden sich nicht nur die kursive Schrift gut vom Rest.


    Eine solche Erzählperspektive bietet immer den Fallstrick, dass Emotionalität recht einseitig daherkommt, da man eben nur die Seite des Erzählers wirklich betrachten kann. Hinzu kommt, dass die Autorin sehr detailverliebte Beschreibungen in die Geschichte eingearbeitet hat, die nicht wirklich zu ihrer Entwicklung beitragen. Dies trägt zu einer dichten und authentischen Hintergrundatmosphäre bei. Ungeduldige kann es jedoch stören, weil dadurch das Erzähltempo gedrosselt wird. Wer also eine schnelle Handlungsentwicklung liebt, sollte eventuell die Finger von dem Roman lassen.


    Der letzte Absatz hört sich jetzt schlimmer an, als es in Wirklichkeit ist. Richtige Längen gab es nicht für mich. Vosseler hat einen Roman geschaffen, in den ich tatsächlich recht schnell eintauchen und - wie schon der Verfasser des Zitats der Süddeutschen Zeitung formuliert hat - mich in Raum und Zeit verlieren konnte. Jedenfalls größtenteils, obwohl ich weit über der anvisierten Altersgrenze liege. Das war zum Teil gerade der detailverliebten Wortmalerei geschuldet. Obgleich ich noch nie in San Francisco war, konnte ich mir beispielsweise die Straßenzüge gut vorstellen, egal ob sie nun nebelverhangen oder glasklar beschrieben wurden. Allerdings hätte die eine oder andere Kleinigkeit einmal beschrieben gereicht. Vosselers Schreibstil liest sich darüber hinaus leicht, was über besagte Wiederholungen gut hinweghilft. Ihren Schreibstil mag ich auch deshalb, weil er nicht (wie in manch anderem Jugendbuch) gewollt jugendlich-cool ist und die Dialoge lebendig wirken.


    Was mir ebenfalls gut gefällt, ist der Umstand, dass das spukige Fantasyelement nicht Ambers traurige und traumatisierende Vorgeschichte erschlägt und umgekehrt. Und dass Ambers Clique trotz ihrer Andersartigkeit eher bodenständig skizziert wird. In der Clique wird zwar das Geisterthema bzw. die Auswirkungen einer Beziehung zwischen Amber und Nathaniel diskutiert, jedoch größtenteils normal und nicht wie in anderen Romanen auf eine Art und Weise, die mich schon diverse Male dazu gebracht hat, die Augen zu verdrehen. Das geschieht nämlich immer dann, wenn niemand eine Ahnung von irgendwas hat, aber sofort mit einer superschlauen, pseudowissenschaftlich wirkenden Antwort auf Fragen aufwarten kann, die gerade erst aufgekommen sind. Vosselers Charaktere sind ein sympathischer, kunterbunter Mix. Letzteres sprichwörtlich, denn einer wechselt schneller seine Haarfarbe als mache Leute ihre Socken. Ihre Wünsche und Bedürfnisse wirken echt und nachvollziehbar, ebenso die Handlungen und Reaktionen.


    Das Buch hat eine melancholisch-ernsthafte Grundstimmung, die nicht nur auf Krankheit, Verlust und Trauer fußt, sondern auch auf der eigentlichen Aussichtslosigkeit der Beziehung zwischen Amber und Nathaniel. Doch gerade diese Beziehung gibt Amber auch wieder Lebensmut und Freude zurück. Oder den Mut etwas zu wagen. Lässt sie Wünsche entwickeln, die allerdings wiederum für Probleme und die Sehnsucht nach mehr sorgen. Deshalb wagt sie In dieser ganz besonderen Nacht einen Schritt, der unerwartete Konsequenzen nach sich zieht.


    Besagte Konsequenzen wiederum sorgen für einen kleinen Zwiespalt bei mir. Zum einen wirken einige Passagen letztendlich zu rosarot weich gespült. Das fiel mir vielleicht deshalb besonders auf, weil Nathaniels Vergangenheit und die Schuld, die er auf sich geladen hat, vollkommen gegensätzlich beschrieben werden. Zum anderen wirken sie jedoch auch durchaus tröstlich, gerade im Bezug auf die Verluste, die Vosselers Figuren durchleben müssen.


    Fazit:


    In dieser ganz besonderen Nacht hat mich nicht durch nervenzerreißende Spannung gefesselt, denn im Grunde kam die Geschichte mir trotz des traumatischen Einstiegs für Amber und des dramatischen Teils kurz vor dem Ende völlig unaufgeregt vor. Der Reiz kam für mich aus der emotionalen Grundnote und der dichten Atmosphäre. Und wurde geschürt durch den Tiefgang, den dieser Roman durchaus hat. Mit der Wendung ganz am Schluss hat mich die Autorin vollkommen überrascht, da meine eigenen Gedanken bereits in eine ganz andere Richtung gingen. Fantasievoll berührend - dafür möchte ich vier von fünf Punkten vergeben.


    Copyright ©, 2013 Antje Jürgens (AJ)

    Fantasien sind die Flügel unserer Seele.
    Auf ihnen tragen wir in Worten und Bildern unsere Träume und Wünsche in die Welt.

  • Meine Meinung:


    Ambers Eltern haben gemeinsam vor dem Tod ihrer Mutter festgelegt, das sie mit zu ihrem Vater nach San Francisco zieht, doch Amber ist davon überhaupt nicht angetan, schließlich sind ihre ganzen Freunde in Deutschland, genauso wie ihre Großeltern und ihre Patentante Gabi. Außerdem haben sie und ihr Vater Ted sich die letzten Jahre nicht sehr oft gesehen, so daß sie sich ganz verlassen vorkommt in dem neuen Land, obwohl Ted sich wirklich sehr bemüht. Aber dann begegnet sie eines Tages Nathaniel und mit ihm kann Amber über all ihre Sorgen, ihre Gedanken und ihre Trauer reden, doch irgendwas ist seltsam an Nathaniel, denn er achtet ganz genau darauf, das Amber ihn nicht zufällig mal berührt, obwohl sie das doch so gerne möchte, aber was könnte der Grund dafür sein?!


    Mit Amber habe ich mich ein wenig schwer getan, besonders zum Ende hin, da sie manchmal echt naiv ist, gerade was Nathaniel und seine Vergangenheit angeht. Wie sie mit ihrem Vater am Anfang umgegangen ist hat mir auch nicht wirklich gefallen, obwohl ich sie da natürlich schon verstehen konnte, trotzdem hat Ted sich wirklich die ganze Zeit bemüht und man merkt ihm an wie sehr er seine Tochter liebt. Ted war aber sowieso einer meiner Lieblingscharaktere, aber auch Holly und Shane mochte ich ganz gerne. Matt war manchmal etwas zu impulsiv und Abby ist eigentlich nie so richtig aus sich rausgekommen, ich konnte sie daher nicht so genau einschätzen, trotzdem fand ich beide auch recht angenehm. Amber hat mit ihren Freunden echt Glück, denn sie sind immer für sie da und helfen wo sie nur können, aber sie geben sich sowieso alle irgendwie gegenseitig Halt, da sie alle schon schlimmes erlebt haben.


    Die Geschichte konnte mich allerdings nicht so richtig begeistern, sie war mir persönlich zu melancholisch und die ganzen Beschreibungen waren wieder mal sehr ausführlich, so daß ich das lesen manchmal recht anstrengend fand. Aber auch so fand ich das ganze hin und her mit Amber und Nathaniel nicht ganz so ansprechend, da fand ich die Treffen von Amber und ihren Freunden irgendwie interessanter, davon hätte es auch ruhig noch mehr geben können. Auch habe ich irgendwie die ganze Zeit auf diese bestimmte Nacht gewartet, aber bis das überhaupt mal zur Sprache kommt vergehen etliche Seiten. Kurz vor Schluß passiert dann auch noch etwas was ich überhaupt nicht gut fand, alle haben schon so viel schreckliches in ihrem Leben durchgemacht und es geht irgendwie immer so weiter, das ist mir manchmal richtig aufs Gemüt geschlagen, weil es mich so mitgenommen hat. Und das Ende war zwar ganz ok, aber genau das gleiche hätte ich mir halt auch für eine andere Person gewünscht.


    Veröffentlicht am: 20.10.2014



  • Meine Meinung:


    Die Idee der Geschichte fand ich klasse und hat mich wirklich neugierig gemacht.
    Allerdings kam bei mir keine richtige Lese- und Liebesstimmung auf. Ammber fand ich manches mal sehr naiv und ihre Handlungen fragwürdig. Viele Sachen konnte ich einfach nicht nachvollziehen. Und Nathaniel war meiner Meinung nach nicht wirklich der sympatischste in der Geschichte - keine Ahnung wieso, aber irgendwie kam mir sein Charakter nicht so richtig nah.
    Ich konnte auch gar nicht so richtig wünschen, dass die beiden sich am Ende bekommen - irgendwie passte es einfach nicht.
    Viel besser fand ich da Ambers Vater Ted, von dem man meines Erachtens, viel zu wenig gelesen hat. Klar, die Geschichte war aus Ambers und Nathaniels Sicht erzählt, deswegen bleiben die restlichen Charaktere meistens etwas auf der Strecke. Schade.


    Die Geschichte selbst war mir einfach eine Spur zu traurig und zu melancholisch. Ein bisschen mehr Spaß und Freude hätte dieser sicherlich nicht geschadet, auch wenn Ambers Hintergrund ein trauriger war, fand ich es nicht schön, dass es sich so durch die kompletten fast 600 Seiten gezogen hat.


    Dafür geht es auf den letzten Seiten recht hoch her und recht schnell voran, es kommt so ein klein wenig wie Spannung auf. Aber dafür war es dann auch wieder schnell vorbei. Was die Autorin sich im Buch vorher langwierig festgehalten hatte, wurde auf den letzten Seiten für meine Begriffe zu schnell abgehakt.


    Fazit:


    Mich konnte dieses Buch nicht wirklich überzeugen. Die Charaktere blieben zu fad und die vielen Hintergrundinfos fand ich viel zu viel.


    Veröffentlicht: 22.10.2014

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    Lesende Grüße von Nyx
    Nyx (griech. Νύξ) ist in der griechischen Mythologie die Göttin und Personifikation der Nacht. Laut Homer fürchtete sich selbst Zeus vor der Nacht.




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