Völler, Eva: Ein Traum vom Glück



  • Autor: Völler, Eva

    Titel: Ein Traum vom Glück

    Originaltitel: -----

    Verlag: Bastei Lübbe

    Erschienen: 27.03.2020

    ISBN 10: 3785726708

    ISBN 13: 978-3785726709

    Seiten: 464

    Einband: Broschiert

    Serie: Ruhrpott-Saga

    Preis: 14,90 Euro


    Inhalt:

    Essen 1951: Nach der Flucht aus Berlin leben Katharina und ihre beiden Töchter bei Mine, der Mutter ihres verschollenen Mannes Karl. Doch allzu gut können die beiden nicht miteinander. Mine hofft immer noch, dass ihr Sohn nach Hause kommt und kann nicht verstehen, warum ihn Katharina aufgibt.Doch sie will für ihre beiden Töchter ein besseres, nicht so entbehrungsreiches Leben und beginnt für die betuchten Damen schöne Kleider zu nähen, um bald unabhängig zu sein.Doch da kommt eines Tages der Kriegsheimkehrer Johannes und verdreht ihr den Kopf.....


    Meine Meinung:

    Zuerst fiel mir das tolle Cover auf und als ich dann auch noch gesehen habe, dass das Buch von Eva Völler ist, deren hist. Romane unter dem Pseudonym Charlotte Thomas ich alle verschlungen habe, war mir klar, ich muß das Buch lesen.

    Ich wurde auch nicht enttäuscht und Eva Völler hat mir wieder einmal mehr bewiesen, warum sie zu meinen Lieblingsautorinnen zählt.

    Ihre Figuren sind einfach so lebendig und authentisch, man leidet und freut sich mit ihnen mit und hat das Gefühl selber in der Geschichte dabei zu sein.

    Sehr berührt hat mich Mine, die einfach nicht wahrhaben will, das ihr Karl nicht mehr Leben soll. Sie wirkt oft sehr herrisch, doch dabei hat sie das Herz auf dem rechten Fleck und würde für ihre Familie alles tun.

    Auch Katharina bewundere ich sehr, wie sie sich in der schweren Zeit nicht hat unterkriegen lassen und um ihr Glück und das ihrer Kinder kämpft.

    Johannes, der nach 6 Jahren traumatisiert aus der Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt ist, hat einen besonderen Platz in meinem Herz gefunden. Nach und nach lebt er sich wieder ein, hat stets ein offenes Ohr für jeden, hält das Haus in Schuß und verdingt sich im Kohlebergwerk.


    Eva Völlers wunderbarer Schreibstil läßt einen von Anfang an in der Geschichte versinken. Der Spannungsbogen wird durchgehend gehalten um sich dann zum Schluß nochmals zu steigern. Hier hatte ich dann auch Tränen in den Augen und mußte das unfassbare erstmal begreifen. Sehr gut hat mir auch der Ruhrpott Dialekt gefallen, dem ich ohne Schwierigkeiten folgen konnte.

    Sehr gerne vergebe ich 5 Sterne und eine große Leseempfehlung.


    Veröffentlicht am:

    28.03.2020


    LG Karin

  • Eigene Meinung:


    Essen 1951. Katharina ist der Kriegshölle in Berlin entkommen und lebt nun nach ihrer Flucht bei ihrer Schwiegermutter. Ihr Mann ist verschollen. Katharina ist sich sicher, dass er tot ist, aber davon will seine Mutter Mine nichts hören. Sie ist überzeugt, dass Karl noch lebt und weigert sich, ihn für tot erklären zu lassen.


    Zitat: "Ein Mann geht dir von der Seite, ein Kind vom Herzen."


    Die Lebenssituation ist nicht einfach für Katharina, die für ihre beiden Töchter und auch sich ein besseres Leben möchte. Als Schneiderin hält sie sich mit Näharbeiten über Wasser, träumt aber von einem eigenen Geschäft.

    Dann steht eines Abends Mines Enkel Johannes vor der Tür, zurück aus der russischen Kriegsgefangenschaft, wo er sechs Jahre verbracht hat. Traumatisiert, aber froh, wieder bei seiner Familie zu sein, findet er langsam zurück ins Leben und zwischen ihm und Katharina entwickelt sich eine Beziehung, die eigentlich nicht sein darf. Johannes ist zwar kein Blutsverwandter, aber Katharina ist immer noch mit seinem Onkel verheiratet und Mine ist jetzt mehr denn je davon überzeugt, dass Karl nach Hause kommen wird. Haben Johannes und Katharina da überhaupt eine Chance?


    Als ich von "Ein Traum vom Glück" ein Werbeplakat sah, war mir klar: Das muss ich lesen! Ich bin zwar nicht direkt im Ruhrpott aufgewachsen, aber schon nahe dran und mein Vater und auch viele Verwandte und Bekannte waren ebenfalls "auf'm Pütt". Viele Situationen aus dem Buch kamen mir dann auch bekannt vor, obwohl ich zwanzig Jahre später geboren wurde. So zum Beispiel die Kohlenlieferung und das "Schüppen" in den Keller. Auch die Sprache bzw. der Dialekt von Mine und den anderen Essenern bereitete mir keine Probleme. Das Glossar am Ende des Buches ist auf jeden Fall hilfreich, wenn man sich mit dem Ruhrpott-Platt nicht auskennt, aber ich brauchte es nicht. ;-)


    Die Geschichte hat mir sehr gut gefallen, man kann sich in eine andere Zeit fallen lassen, auch wenn diese nicht wirklich schön war. Andererseits atmete Deutschland damals gerade wieder ein bisschen auf, die Besatzungszeit war so gut wie vorbei, man konnte wieder einkaufen, was und wo man wollte (vorausgesetzt man konnte es sich leisten) und die Menschen genossen einfach die neue Freiheit und hofften auf bessere Zeiten.


    Eva Völler gelingt es, ein authentisches Bild zu zeichnen und diese Zeit lebendig werden zu lassen. Die Charaktere sind glaubwürdig, besonders durch den Ruhrpott-Slang.


    Der Roman hat viele gute Zutaten, die ihn zu einem perfekten Schmöker machen: ein bisschen Geschichte und Nostalgisches, ein bisschen Drama, ein bisschen Romantik und auch Humor.


    Eine Leseempfehlung für alle, die das Ruhrgebiet kennen und lieben und auch für die, die einfach mal wieder ein schönes Buch lesen möchten.


    Ich freue mich schon auf die Fortsetzung im Herbst.


    Veröffentlicht am 19.05.20