Caspian, Hanna: Die Kirschvilla


  • Autor: Caspian, Hanna
    Titel: Die Kirschvilla
    Originaltitel: -----
    Verlag: Heyne
    Erschienen: 12. September 2016
    ISBN 10: 3453419553
    ISBN 13: 978-3453419551
    Seiten: 480
    Einband: TB
    Serie: -----
    Preis: 9,99 Euro


    Inhaltsangabe lt. Amazon.de:
    Isabell und ihre Großmutter Pauline treten ein Erbe in Köln an – Paulines Geburtshaus. Doch die alte Villa am Rheinufer birgt dunkle Geheimnisse. Bald sieht sich Isabell mit der Frage konfrontiert, ob ihr Liebesglück mit den Geheimnissen ihrer Familie zusammenhängt. Denn ausgerechnet Julius, Isabells neue Liebe, scheint tief in die schmerzliche Familientragödie verstrickt. Doch schließlich geben zwei Tagebücher aus den 1920er-Jahren, die die Zeit überdauert haben, Auskunft über die schockierenden Geschehnisse am Rheinufer – und über Wahrheiten, die niemand gerne über seine Familie erfährt.


    Meine Meinung:
    Ein sehr fesselndes Familiengeheimnis, dass es auf meine Jahresbestenliste 2016 geschafft hat.


    Die Geschichte wird in zwei Zeitebenen erzählt.
    In der Gegenwart erbt Pauline, die Großmutter von Isabell die Villa am Rheinufer, in der sie als Kind aufgewachsen ist. Doch da sie mit der Villa nur Unglück in Verbindung bringt, möchte sie diese gleich an ihre Nichte weitergeben.
    Doch Isabell ist mit der riesen Villa, die auch noch Unsummen an Renovierung verschlingen würde, ebenfalls total überfordert.


    In der Vergangenheit erleben wir dann das düstere Leben von Sofia und ihren Kindern, die sehr unter ihrem gewalttätigen Vater und Ehemann zu Leiden haben. Zudem ist die Villa auch noch verflucht und das über mehrere Generationen.


    Mich hat die Geschichte derart gefesselt, dass ich sie am liebsten in einem Rutsch durchgelesen hätte. Anhand des schönen Covers und des Buchtitels, erwartet man eher eine nette Familiengeschichte, doch in Wahrheit ist alles sehr düster.
    Aber gerade das bindet den Leser unheimlich an die Geschichte und man ist mit allen Gefühlen dabei. Die Charaktere sind unheimlich lebendig geschildert, so dass man richtig körperlich mitfühlen kann.
    Ich entwickelte richtige Hassgefühle, vor allem August gegenüber, denn für ihn und seine Grausamkeit fehlen mir wirklich alle Worte. Ich habe auch sehr mit Sofia und den Kindern mitgelitten, die wirklich keine schöne Kindheit hatten.


    Aber auch Isabell hat es nicht einfach, sie erforscht mit dem Notar Julius an Hand von Tagebüchern nach und nach die schrecklichen Geheimnisse aus der Vergangenheit.
    Sie hat auch öfters mit Angstzuständen zu kämpfen, die sie anscheinend vererbt bekommen hat.


    Hanna Caspian hat einen sehr schönen fesselnden, mitreissenden und sehr bildhaften Schreibstil. Ich konnte mich so schön in den Beschreibungen der Villa und des Gartens verlieren.
    Aber nichts wirkt überladen, es wird alles in der richtigen Dosis präsentiert auch die Auflösung des Geheimnisses.
    Bei vielen Familiengeheimnissen plätschert die Geschichte ja nur so vor sich hin und zum Ende hin überschlägt sich dann alles. Auch dies war hier nicht der Fall, die ganze Geschichte wird spannend erzählt und an Hand der Tagebucheinträge, wird dem Leser im Laufe der Geschichte schon immer etwas offenbart, was einem oft die Luft anhalten läßt.


    An zwei Stellen hätte ich zwar etwas anders gehandelt, aber die Geschichte war für mich rundum stimmig, konnte mich von der ersten Seite bis zum Schluß fesseln und bekommt von mir daher 5 Sterne.
    Ich hoffe sehr, dass Frau Caspian noch viele so tolle Bücher schreiben wird.

    Veröffentlicht am:
    21.10.16


    LG Karin


  • Meine Meinung:


    Pauline wird eine Villa in Köln vererbt, ihr Bruder Oskar, der in den USA gelebt hat hat sie ihr überschrieben und sie ist ganz überrascht darüber, das das Haus noch steht. Es hängen auf jeden Fall einige Erinnerungen daran, denn sie ist dort geboren worden und ihre Mutter ist dort bei einem Bombenangriff umgekommen. Isabell, die Enkeln von Pauline, ist ganz fasziniert von dem Haus, den Nebengebäuden und dem Grundstück, doch strahlt es auch eine etwas düstere Atmosphäre aus. Zwei Tagebücher sorgen dann für Einblicke in den Alltag der Familie Korte und dieser ist ganz und gar nicht angenehm, denn es passieren immer wieder schreckliche Dinge. Liegt es vielleicht an diesen vergangenen Tagen, das auch Isabell immer irgendwie das Gefühl von Angst und Einsamkeit mit sich rumträgt?!


    Pauline und Isabell fand ich erst ganz nett, aber dann macht Pauline Sachen, die ich persönlich überhaupt nicht verstehen konnte. Es bringt viel zu viel Unruhe in die Geschichte, dabei ist sie schon düster und unduchrsichtig genug, wie ich finde. Aber auch Isabell hat es mir nicht leicht gemacht mit ihrer Unsicherheit, besonders weil sie ja eigentlich immer selbst die Reißleine gezogen hat, bevor es vielleicht richtig ernst werden konnte. Allerdings tat sie mir dann kurz vorm Schluß total leid, es war also ein ziemlich auf und ab mit ihr, trotzdem war sie mir noch am sympathischsten in der Gegenwart, auch wenn ich erst dachte Julius würde diesen Part übernehmen. Doch dieser hat mich dann ziemlich enttäuscht, auch wenn ich natürlich seine Gefühle erstmal verstehen konnte, doch wie er dann Isabell abgespeist hat hat mir überhaupt nicht gefallen, gerade nach dem was er vorher alles zu ihr gesagt hat.


    In der Vergangenheit fand ich Viktor und Clementine am besten, so nette und aufopferungsvolle Charaktere, die irgendwie nur kurz das Glück kennengelernt haben. Das Schicksal der beiden hat mich total berührt, ich war manchmal echt den Tränen nahe oder richtig wütend auf gewisse Personen, weil sie ihnen so viel Leid angetan haben. Sofia habe ich irgendwann überhaupt nicht mehr verstanden, aber dazu kann ich jetzt auch nicht so viel schreiben, weil es einfach zu viel verraten würde. Am schlimmsten fand ich aber August, ich hatte schon lange nicht mehr so einen unangenehmen Buchcharakter wie ihn. Er ist total jähzornig, herrisch, gewalttätig und grausam.


    Die Geschichte ist recht spannend und reißt einen wirklich mit, auch wenn man durch den Anfang eigentlich schon eins der Geheimnisse weiß, aber da tun sich noch so viele Abgründe auf, so das das der Story keinen Abbruch tut. Allerdings muß ich nun am Ende sagen, das mir das ganze dann doch zu düster war, denn so richtig Hoffnung gab es ja nie und das fand ich schon traurig. So ein paar Glücksmomente wären da doch ganz schön gewesen, aber so bestimmen eigentlich Angst, Gewalt, Hoffnungslosigkeit und Trauer das Buch und das kann schon teilweise recht erdrückend sein. Besonders interessant fand ich übrigens die Tagebucheinträge, die waren auch sehr aufschlußreich, genauso wie das Päckchen am Ende, denn dadurch wurde vieles aufgeklärt. Wobei wir als Leser eindeutig mehr erfahren, als Isabell, da es zwischendurch immer mal Ausschnitte aus den Jahren 1924 - 1942 gibt, die dann für den Leser ein rundes Bild ergeben. Es wird deswegen auch alles aufgeklärt, was mir wirklich gut gefallen hat, denn so bleiben keine Fragen offen.


    Veröffentlicht am: 22.10.2016

  • Zusammenfassung:



    Als Isabell ihre 88-jährige Großmutter Pauline besucht, erfährt sie, dass diese von ihrem Bruder Oskar ihr ehemaliges Geburtshaus, eine Villa direkt am Rhein in der Nähe von Köln, sowie eine Brauerei, ein Lagerhaus und Garagen geerbt hat. Pauline ist nicht sehr begeistert davon, da sie mit der Villa traurige und düstere Erinnerungen verbindet. Ihre Mutter kam dort bei einem Bombenangriff im Zweiten Weltkrieg ums Leben. Auch sonst birgt die Villa einige Geheimnisse, die Pauline lieber vergessen möchte. Der junge Rechtsanwalt Julius soll den beiden Frauen bei der Abwicklung der Erbschaft behilflich sein. Julius und Isabell sind sich nicht unsympathisch, es knistert zwischen den Beiden. Zuerst ist Pauline begeistert von der Idee aus den beiden ein Paar zu machen, doch dann ändert sie ihre Meinung. Hat dies etwa mit den beiden Tagebüchern aus den 20er Jahren zu tun?


    Meine Meinung:


    „Die Kirschvilla“ ist das erste Buch der Autorin, zumindest mit diesem Pseudonym, das ich gelesen habe. Der Roman ist spannend, geheimnisvoll, aber auch sehr düster und teilweise brutal. Die Geschichte ist in zwei Zeitebenen geschrieben. Es wechselt zwischen der Vergangenheit, in den 20-er Jahren und der Gegenwart. Die ganze Erzählung nimmt einen tragischen Verlauf. Ich hätte sie mir weniger düster mit etwas mehr Farbe gewünscht. Der Erzählstrang in der Vergangenheit ist sehr bedrückend und finster. Es werden immer nur Ausschnitte aus dem Leben der Familie Korte erzählt und die Zeit wechselt oft. Es gab kaum helle und freundliche Szenen. Die Tragik dieser Familie zieht sich wie ein Fluch bis zur Gegenwart. Der Erzählstrang in der Gegenwart ist nicht ganz so dunkel, aber auch hier werfen die Ereignisse aus der Vergangenheit ihre Schatten. Die Liebesgeschichte in der Gegenwart wirkte auf mich teilweise konstruiert – besonders in einem Punkt, wo sich der Charakter des Protagonisten um 180 Grad dreht – und dies verbesserte die düstere Atmosphäre auch nicht gerade.

    In der Vergangenheit steht die Familie Korte im Mittelpunkt des Geschehens, in der Gegenwart ist es Isabell, deren Lebenseinstellung schwer zu verstehen war und auch nicht immer nachvollziehbar. Teilweise hatte ich Probleme mich in sie hineinzuversetzen. Sie wirkte manchmal hölzern und konstruiert. Ihr männlicher Gegenspieler kam anfangs sehr sympathischer herüber. Aber gegen Ende der Geschichte war er für mich nicht mehr authentisch.


    Sehr gut gestaltet hat die Autorin die Figuren aus der Vergangenheit. Klar, passierten schreckliche Dinge in dieser Familie, aber man konnte sich die einzelnen Personen in diesem Drama sehr gut vorstellen. Durch die Beschreibung der Charaktere dieser Protagonisten konnte man die Handlungen nachvollziehen. Ihre Reaktionen waren verständlich und man konnte sich sehr gut in die einzelnen Personen hineinversetzen, auch wenn manche Handlungen grausam waren.


    Der Schreibstil der Autorin ist einfach zu lesen und ließ vor allem die 20er Jahre lebendig werden. Sie konnte eine unglaublich düstere melancholische Stimmung erschaffen, die sich aber leider über das ganze Buch hindurchzieht und mir dann einfach schon zu viel wurde. Es gab kaum glückliche Momente. Ich hätte mir ein paar Lichtblicke gewünscht, wo man als Leser einfach mal aufatmen kann und auch all das Schlimme und Grauenhafte vergessen kann – zumindest im Teil der in der Gegenwart erzählt worden ist. Die dazwischen vorkommenden Tagebucheinträge haben das Ganze noch verstärkt ins Dunkle geführt. Die Geheimnisse dieser Familie, die sich wie ein roter Faden durch den ganzen Roman schlingen, wurden zum Schluss zwar gelöst, aber ein paar Verwirrungen weniger hätten auch gereicht.


    Irgendwie hatte ich mir von diesem Buch mehr erwartet. Der Einstieg war spannend, die düstere Atmosphäre greifbar. Die Zeitsprünge in der Vergangenheit waren teilweise schwer einzuordnen. Teilweise war es vorhersehbar, wobei meine schlimmsten Erwartungen übertroffen wurden. Vor allem die Geschichte in der Gegenwart war langatmig und wiederholte sich ständig, obwohl eigentlich von Anfang an klar war, wie dieser Teil ausgehen wird.


    Der Roman „Die Kirschvilla“ von Hanna Caspian hat mich zwiespältig zurückgelassen. Das Thema war wirklich gut, das Familiendrama zwar sehr düster, aber immer noch der spannendere Teil der Geschichte. Vor allem war hier die Ausarbeitung der Charaktere der Protagonisten wirklich gut durchdacht. Etwas weniger Zeitsprünge, manchmal ein Lichtblick im Dunkeln dann hätte mir die Geschichte sicherlich wesentlich besser gefallen.


    Veröffentlicht am 22.10.2016