Bachmann, Stefan: Die Wedernoch


  • Autor: Stefan Bachmann
    Titel: Die Wedernoch
    Originaltitel: The Whatnot
    Verlag: Diogenes
    Erschienen: 2014
    ISBN 10: 3-257-06906-5
    ISBN 13: 978-3-257-06906-8
    Seiten: 426
    Einband: gebunden
    Serie: Bartholomew Reihe Bd. 2
    Preis: 16,90€


    Inhaltsangabe von Verlag: Seit Bartholomews Schwester Hettie aus London weg und ins Land der Feen entführt wurde, sind Jahre vergangen – auch wenn es sich im eisigen Feenforst nur wie Minuten anfühlt. Der Einzige, der dieses Mischlingsmädchen – halb Mensch, halb Feenwesen, mit dürren Zweigen statt Ohren – sehen kann, ist der einäugige Straßenjunge Pikey. Bartholomew würde viel für Pikeys Visionen geben: Zusammen mit seinem Freund Lord Jelliby hat er geschworen, Hettie wiederzufinden, die Hoffnung aber schon fast aufgegeben. Pikey seinerseits ist einem Tauschhandel nicht abgeneigt – er würde alles tun, um seiner Vergangenheit zu entkommen.


    Meine Meinung: Pikey ist ein Straßenjunge, dem die Feen eines Nachts ein Auge geklaut haben. Stattdessen hat er nun ein von Nebel umwölktes, durch das er in eine fremde Welt blicken kann. Aber nicht einfach in irgend eine Welt, sondern ins alte Land, die Welt der Feenwesen. So kommt es, dass er nach einer wahren Odyssee von Bartholomew in Begleitung Mr. Jellibys aus dem Gefängnis geholt wird, weil er mit seinem seltsamen Auge dessen Schwester Hettie drüben im Feenland erblickt hat. Barth sucht verzweifelt einen Weg ins alte Land und hofft mit Pikeys Hilfe endlich Erfolg zu haben. Doch anstatt hinüber in die Feenwelt, geraten die Beiden erst einmal zwischen alle Fronten, als der schreckliche Krieg Menschen gegen Feen seinen Anfang nimmt. Der Schlaue König aus den alten Landen scheint ihnen immer einen Schritt voraus.
    Währenddessen kämpft sich Hettie durch eine ihr fremde und beängstigende Welt, in der nichts so ist, wie es zu sein scheint und die Grenzen zwischen Freund und Feind verschwimmen. Nur langsam erkennt sie, dass sie nicht einfach nur eine Wedernoch aus England ist, sondern etwas ganz besonderes.


    Wie der erste Band ist auch Band 2 sprachlich einwandfrei geschrieben. Es liest sich flott weg, ohne irgendwelche sprachlichen Stolperer. Leider fehlt diesem Band trotzdem der Flair des ersten. Schon allein bis Bartholomew dazu kommt, dauert es 170 Seiten. Bis dahin begleiten wir lediglich Pikey und lernen ihn langsam kennen. Er ist es aus dessen Sicht dieser Band erzählt. Danach zieht das Tempo etwas an, während Barth und Pikey sich auf nach Norden Richtung Schlachtfeld machen.
    Das ganze spielt einige Jahre nach Band 1, trotzdem erfahren wir von Hettie alles ab dem Zeitpunkt, an dem sich das Tor vor ihr schloß. Man kommt deshalb hin und wieder etwas mit der Zeit durcheinander. Weiß nicht wie alt Hettie nun genau sein soll, da im alten Land die Uhren anders ticken, die Zeit vergeht dort laut Barth schneller.


    Die ganze Welt um Barth und Pikey wirkt düsterer. Allein die riesigen Feengefängnisse, die aussehen wie schwarze stachlige Globen und über die Felder rollen, mit tausenden Feen in ihrem Inneren. Dazu eine ganze Armee Egelfeen, die ich besonders unheimlich finde.


    Das man auf Hetties Seite nicht mehr von den Feen-Rebellen, die gegen den Schlauen König rebellieren mit bekommt, finde ich schade. Dafür bekommen wir eine wilde, grausame und ganz und gar gräuliche Welt präsentiert, durch die sich Hettie schlagen muss. Alles im alten Land wirkt unwirklich und kalt, trotzdem zündet der Autor hier geradezu ein Ideenfeuerwerk, was die Gestaltung der Landschaft und Feenwesen anbelangt. Im großen und ganzen muss ich jedoch sagen, hätte der Geschichte etwas mehr Action nicht geschadet. Außerdem wird vieles bis zum Ende nicht aufgeklärt.



    Ich habe im ganzen Buch keine zufriedenstellende Erklärung für diese Episode gefunden. Was ich sehr schade fand, denn ich war auf die Auflösung wirklich gespannt. Es wirkte, als hätte am Ende eigentlich noch etwas anderes passieren sollen, das dann jedoch verworfen wurde.



    Es sind zwar nur Kleinigkeiten, doch sie lassen Band 2 insgesamt nicht ganz so stimmig wirken. Auch die Steampunk Elemente sind dieses mal etwas mehr in den Hintergrund gerückt. Selbst dem Schluss fehlt etwas, es geht einfach alles zu schnell und zu glatt.


    Trotzdem habe ich "Die Wedernoch" wirklich gerne gelesen. Es macht Spaß zu erfahren, was nach "Die Seltsamen" alles passiert ist und wie sich Barth und Hettie langsam von Kindern zu Teenagern mausern. Man mag Stefan Bachmanns ungewöhnliche kleine Helden einfach und lässt sich gerne in seine geradezu plastische Welt eines alternativen Alten Englands werfen. Für alle Leser des ersten Bandes ein absolutes Muss, mit einigen kleinen Abstrichen.


    4/5 Sternen


    Veröffentlicht am: 20. Oktober 2014