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Ulli

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1

Dienstag, 25. März 2014, 14:31

Rebecca, Gablé: Das Haupt der Welt



Autor: Gablé, Rebecca
Titel: Das Haupt der Welt
Originaltitel: Das Haupt der Welt
Verlag: Bastei Lübbe
Erschienen: 4. Oktober 2013
ISBN-10: 3431038832
ISBN-13: 978-3431038835
Seiten: 864
Einband: HC
Preis: 26,00

Zusammenfassung:

Brandenburg, im Winter 929. Die slawische Festung an der Havel kann dem Druck König Heinrich I. und seinem Otto nicht standhalten. Prinz Tugomir und seine Schwester Dragomira werden als Geiseln gefangen genommen. In Magdeburg nimmt sich Otto Dragomir zu seiner Geliebten, die bald darauf schwanger wird. Prinz Tugomir leidet unter Gero, dem Kommandanten von Heinrichs Heer. Doch Otto zieht Tugomir seinem eigenen Heiler vor, der nur an Flucht denkt, doch der König versteht es ihn unter Druck zu setze. Als er dann noch die Erziehung seines Neffens Wilhelm übernimmt, ist an Flucht nicht mehr zu denken. Seine Schwester nimmt den Glauben der Christen an und geht ins Kloster. Nun scheint ihr Schicksal endgültig besiegelt zu sein.


Mein Fazit:

Der historische Roman „Das Haupt der Welt“ ist nicht der erste Roman der Autorin Rebecca Gablé, den ich gelesen habe und sicherlich auch nicht der letzte, denn die Geschichte hat mich wieder sehr für diese Autorin eingenommen. Es ist das erste Buch der Autorin, das einen Teil der deutschen Geschichte beinhaltet. Ihre historischen Romane spielen ja durchwegs im englischen Mittelalter. Ihre Hauptfigur ist im Gegensatz zu den anderen Romanen diesmal nicht fiktiv, Tugomir, der Fürst der Heveller, hat wirklich gelebt und die Autorin stützt sich bei seiner Beschreibung auf die geschichtlichen Quellen. Auch die meisten anderen Figuren haben wirklich gelebt. Es gibt darüber ein Verzeichnis, wo man sieht, dass es kaum fiktive Figuren, außer in Nebenrollen gibt. Sie beginnt ihre Geschichte über Otto, den Großen sehr früh, noch zu Lebzeiten seines Vaters. Durch diese Übersicht findet man sich als Leser sehr gut zurecht. Auch die Karte ist recht hilfreich.

Die Autorin beginnt den Leser langsam in die Geschichte einzuführen. Sie überstürzt nichts. So hat man Zeit die einzelnen Personen kennenzulernen, aber es fehlt trotzdem nicht an Spannung, dafür sorgen allein schon die Intrigen von Ottos Mutter Mathildis.

Die Charaktere der Protagonisten sind bunt gemischt. Natürlich sind Otto und Tugomir die Hauptfiguren und am besten ausgearbeitet. Als Leser erlebt man deren besondere Entwicklung mit und kann sich sehr gut in die authentisch gestalteten Persönlichkeiten hineinversetzen und ihren Wegen folgen. Aber auch der Bruder Ottos Thankmar und die Schwester seiner Frau Egvina, nehmen vor den Augen des Lesers Gestalt an. Thankmar anfangs eine sehr sympathische Gestalt verändert sich im Laufe der Geschichte so sehr, dass er vom Freund zum Feind des Königs wird. Egvina, die Anfangs durch ihre Abenteuer viel Leben in die Geschichte einbringt, wird nach seinem Tod, eine ernst zu nehmende Gestalt, die Einfluss auf die Geschichte nimmt. Henning, der jüngere Bruder Ottos, ist der schwierigste Charakter der ganzen Geschichte. Immer wieder versucht es Otto wieder mit ihm, doch er, der selbst König werden will, lässt keine Intrige aus. Die Autorin, die sich hier wirklich an die Fakten hält, kann allerdings auch keinen Grund für Ottos Großzügigkeit finden. Aber auch die Nebenfiguren, wie Tugomirs Schwester, die Mutter Ottos und viele mehr sind sehr gut ausgearbeitet worden und fügen sich in die Geschichte ein. Der Leser erlebt mit den Figuren ihre Ängste, ihre Freuden, ihre Zweifel, ihre Gewissensbisse, ihre Zwänge, aber auch ihre Liebe und ihre Freundschaften. Das alles so hautnah, wie man es sich nur wünschen kann.

Die Handlungsstränge der Geschichte sind sehr gut verbunden, das Ende ist gut durchdacht, obwohl es eine Fortsetzung offen lässt. Wenn der Geschichtsunterricht in der Schule so interessant wäre, würden sich sicherlich mehr Kinder für das Mittelalter interessieren. Die Autorin schafft es, ihre Leser selbst mit langweiligen Teilen zu faszinieren, diese zu überbrücken und gleich wieder Spannung aufzubauen. Der Schreibstil ist intensiv, nicht ohne Humor, nicht ganz leicht zu lesen und trotzdem keine schwere Kost.

Die Autorin hat sehr genau recherchiert und kann dadurch das Leben der Slawen so hautnah beschreiben. Sie hat sich wirklich intensiv mit der Geschichte auseinandergesetzt und ihre fiktive Geschichte sehr gut mit der realen verstrickt. Dadurch hat sie eine faszinierende schillernde Geschichte geschaffen.

Die Aufmachung des Buches ist auch sehr gut gelungen. Ganz in weiß gehalten mit goldener Schrift wird das Cover dominiert von einer Zeichnung der Heiligen Lanze, die auch in diesem Buch keine geringe Rolle spielt.

Zusammendfassend kann ich sagen, dass ich hier wieder ein TOP unter den historischen Romanen gelesen habe. Nach den vielen Enttäuschungen heuer war es wirklich ein absoluter Höhepunkt. Ich kann das Buch nur allen Fans von historischen Romanen weiterempfehlen. Hier lebt Geschichte! Warum kann man nur solche Bücher nicht in den Unterricht aufnehmen? Um wie viel lieber würden sich Kinder damit auseinander setzen…

Veröffentlicht am 24.03.2014
Liebe Grüße Ulli

2

Montag, 25. September 2017, 15:14

Inhalt:

Brandenburg im Jahr 929: Sachsenkönig Heinrich I. greift mit seinen Söhnen Thankmar und Otto die Slawen an und tötet Fürst Vaclavic. Seinen Sohn Tugomir und dessen Schwester Dragomira verschleppt er nach Magdeburg. Mit den Jahren macht sich Tugomir zwar einen Namen als Heiler und rettet auch Otto das Leben, aber er bleibt eine Geisel am Hof von König Heinrich. Nach wie vor lebt er als Heide in der christlichen Welt und ist nicht bereit, seinen Göttern abzuschwören und den Gott der Sachsen als "wahren Glauben" zu akzeptieren. Dragomira wird Ottos Geliebte und schenkt ihm einen Sohn. Als Heinrich Otto als seinen Nachfolger benennt und außerdem die Ehe mit der angelsächsischen Prinzessin Editha für ihn arrangiert, wird Dragomira in ein Kanonissenstift geschickt.
Otto wird nach Heinrichs Tod König und Tugomir der Lehrer seiner Kinder. Aber nicht alle sind mit dem zweitältesten Sohn Heinrichs auf dem Thron einverstanden und immer wieder gibt es Widersacher in den adeligen Kreisen, um Otto zu stürzen. Allen voran intrigiert sein jüngerer Bruder Henning gegen Otto, denn er sieht sich selbst als rechtmäßigen Thronfolger, der "im Purpur geboren" wurde, da sein Vater zu der Zeit bereits König war. Ottos älterer Bruder Thankmar dagegen ist ganz zufrieden mit Heinrichs Entscheidung, da er selbst nie das Verlangen nach der Krone hatte.
Otto stehen schwere Zeiten bevor und eines Tages wendet er sich mit einem ungewöhnlichen Plan an Tugomir, der mit den Jahren Freund und Feind zugleich geworden ist.

Eigene Meinung:
"Das Haupt der Welt" erzählt über einen Zeitraum von zehn Jahren die Anfänge von König Otto, später auch Otto der Große.
Wie immer gelingt es Rebecca Gablé Geschichte so zu erzählen, dass man glaubt, man wäre selbst dabei gewesen. Beim Lesen wird das 10. Jahrhundert lebendig, man sieht die Pfalzen und Burgen, die slawischen Tempel, die Flüsse und Wälder vor sich.
Historische Fakten werden wunderbar mit Fiktion verknüpft und die Autorin füllt die "leeren Flecken" so, dass man denkt: Ja, so könnte es gewesen sein.
Auch die Charaktere sind authentisch dargestellt. Tugomir als slawischer Priester, der ständig zwischen zwei Welten hin und her gerissen ist und Otto, der als späterer König schwere Entscheidungen treffen muss, sind sich ähnlicher, als beiden lieb ist.
Dann Thankmar, der leider ein trauriges Ende nimmt. Dragomira, die eigentlich nur geliebt werden möchte und natürlich das Beste für ihren Sohn will.
Ich denke, jeder Leser hat hier seine Favoriten, die er entweder liebt oder hasst.

Von Anfang bis Ende fühlte ich mich gut unterhalten und es war sehr interessant für mich, auch mal etwas über die frühe deutsche Geschichte zu erfahren. Und wenn sie dann noch erzählerisch so gut verpackt ist, da bleiben beim historisch interessierten Leser eigentlich keine Wünsche offen.
Am Anfang ist dargestellt, welche Personen tatsächlich gelebt haben und welche erfunden sind. Und auch im Nachwort der Autorin erfährt man noch einige interessante Dinge.

"Das Haupt der Welt" war für mich spannend, auch mit witzigen und emotionalen Momenten. Deswegen gibt es eine uneingeschränkte Leseempfehlung.

Und für mich ist jetzt klar, dass ich die Fortsetzung von Ottos Geschichte in "Die fremde Königin" auch lesen werde.

25.09.2017
:lesen-buch50:


:weihnachtsbaum: :schnee21: :w3:

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Blackfairy71« (26. September 2017, 09:28)