Sie sind nicht angemeldet.

1

Montag, 3. Juli 2017, 19:02

Keller, Gottfried: Kleider machen Leute



Autor: Keller, Gottfried
Titel: Kleider machen Leute
Verlag: Schöningh Verlag im Westermann Schulbuch
Erschienen: 1. Oktober 1999
ISBN-10: 3140223250
ISBN-13: 978-3140223256
Seiten: 96 Seiten
Einband: Taschenbuch
Preis: 4,95 Euro

Inhaltsangabe:

Zitat

Gottfried Kellers „Kleider machen Leute“ gehört zu den bekanntesten Erzählungen der deutschsprachigen Literatur. Sie diente als Vorlage für Opern und Filme, legendär ist die Produktion des deutschen Regisseurs Helmut Käutner aus dem Jahr 1940 mit dem Schauspieler Heinz Rühmann in der Hauptrolle.

Quelle: Amazon.de

Meine Meinung:

Wenzel Strapinski ist eigentlich Schneider und ist an einem unfreundlichen Novembertag unterwegs nach Goldach, denn in Seldwyla ist der Schneidermeister, bei dem er gearbeitet hat, bankrott gegangen und so macht sich Wenzel nun auf den Weg um eine neue Arbeit zu finden. Dabei liest ihn ein Kutscher auf, der bei einem Grafen angestellt ist. Da die Kutsche aber gerade nicht von diesem genutzt wird, bietet der Kutscher Strapinski an doch einzusteigen, er würde ihn bis Goldach mitnehmen. Wenzel nimmt dies natürlich gerne an und als er dann in der Stadt vor den Gasthof "Zur Waage" vorfährt denken alle Wenzel sei ein reicher Mann und überschlagen sich förmlich um ihm gefällig zu sein. Auch der Kutscher klärt das Missverständnis nicht auf, sondern fördert es sogar noch, in dem er behauptet Strapinski sei ein Graf. Für die Leute aus Goldach gibt es danach erst recht kein halten mehr und Wenzel bekommt das beste Essen vorgesetzt, das tollste Zimmer, wird zu Zusammenkünften eingeladen und genießt einen gewissen Status. Doch kann das alles wirklich gut gehen?!

Wenzel fand ich eigentlich recht sympathisch, obwohl er ja auch nicht ganz unschuldig an der Misere ist, denn theoretisch hätte er das ja alles sofort aufklären können. Selbst wenn er erstmal überrascht war und zu geschockt, so hätte er wenigstens am nächsten Tag reinen Tisch machen können oder auch einfach fortgehen. Aber er nutzt das ja alles schön aus und auch wenn ihn manchmal das schlechte Gewissen plagt, so siegt doch immer seine Bequemlichkeit, weil es ihm gerade halt recht gut geht. Außerdem gibt es ja auch noch Nettchen, der er sich sehr verbunden fühlt, sie erinnert ihn auch an ein Mädchen aus seiner Kindheit, aber ob sie das gleiche ist weiß ich leider nicht, da wurde leider nicht mehr weiter drauf eingegangen, was ich etwas schade fand, denn das hätte mich schon interessiert. Nettchen hat mich auch überrascht, denn eigentlich dachte ich, sie wäre arrogant und würde einen gehobenen Standard erwarten, weil sie den ja bisher auch hatte, aber sie ist ganz anders. Die Leute aus Goldach fand ich etwas naiv und oberflächlich, denn sie nehmen einfach an das Wenzel reich ist, weil er in dieser erlesenen Kutsche angekommen ist und einen recht feinen Mantel trägt.

Die Novelle ist eigentlich recht interessant, zumindest beinhaltet sie ein interessantes Thema, denn das viele nach dem Äußeren gehen und dabei dann auf die Arbeit, den Rang, das Ansehen, den Reichtum einer Person schließen ist ja auch heutzutage noch oft so. Allerdings hätte ich mir dafür trotzdem eine etwas neuere Umfage gewünscht, denn im Anhang wird zum Beispiel auf eine Reportage aus dem Jahr 1995 eingegangen, die im ZDF ausgestrahlt wurde, nur ist das ja nun doch schon etwas her und ich denke, das einige Menschen schon etwas anders denken als damals. Der Anhang bietet aber sowieso recht viele Informationen zum Thema, zum Beispiel wird angenommen, das Gottfried Keller sich durch einige andere Geschichten und reale Vorfälle inspiriert gefühlt hat, die auch das Thema Kleider im Vordergrund stehen hatten. "Das Märchen vom falschen Prinzen" von Wilhelm Hauff eventuell und auch "Eine bürgerliche Komödie" von Arnold Ruge. Überhaupt gibt es eine Menge Geschichten, die sich mit dem Thema der äußeren Erscheinung auseinandersetzen und ich finde das das in "Kleider machen Leute" wirklich gut umgesetzt wurde. Die Sprache ist natürlich recht altertümlich und ich hatte am Anfang auch erstmal meine Probleme damit, aber man findet dann doch recht schnell rein und wenn man erstmal in dieser Welt drin ist versteht man eigentlich alles ganz gut.

Veröffentlicht am: 03.07.2017

Ähnliche Themen